Noch weniger Netto vom Brutto könnte auf viele Arbeitnehmer zukommen, denn die Zusatzbeiträge für Krankenkassen sollen deutlich steigen. Grund ist insbesondere die schwierige finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenkassen, weshalb Experten eine Erhöhung der Beiträge um 2,5 % als quasi unumgänglich einstuft.
Bereits im kommenden Jahr sollen die Beiträge um 0,8 Prozentpunkte auf 2,5 % steigen. Dafür spricht sich der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus und auch das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) in Bonn teilte dies mit. Zuletzt waren die Beiträge 2006 auf einem solchen Niveau. Um wieviel der Beitrag am Ende steigt, kann jede Krankenkasse für sich festlegen. Anfang November muss Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einen durchschnittlichen Zusatzbetrag bestimmen.
Mit der aktuellen Entwicklung bewegt sich der Beitragssatz zur Krankenversicherung – zur Hälfte getragen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen – auf einem Rekordhoch. Der Gesamtbeitrag liegt künftig bei 17,1 Prozent, die zur Hälfte vom Arbeitnehmer-Bruttolohn abgeführt werden müssen. Rechnet man die Beiträge an Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung dazu, kommen die Sozialabgaben auf stolze 41,7 Prozent. Kinderlose Beitragszahler müssen 0,6 Prozentpunkte in die Pflegeversicherung einzahlen.
An einem konkreten Rechenbeispiel verdeutlich heißt das:
Bei einem Bruttoeinkommen von 3000 Euro im Monat müssten Arbeitgeber und Arbeitnehmer je 12 Euro mehr für die Krankenversicherung berappen. Erhöht eine Krankenkasse den Zusatzbeitrag gibt es für Versicherte ein Sonderkündigungrecht.
Karl Lauterbach (SPD) gab an, das deutsche Gesundheitswesen sei das teuerste in Europa, weil es insgesamt uneffizient sei, unter anderem wegen der unhaltbar steigenden Ausgaben für Krankenhäuser. Gerade deshalb brauche man dringend eine durchdachte Krankenhausreform, wie sie nun im Bundestag beschlossen werden soll.
Auch die Pflegeversicherung soll zwischen 0,25 bis 0,3 Punkten angehoben werden. Der einzige winzige Lichtblick: Angeblich soll der nicht zu besteuernde Grundfreibetrag im kommenden Jahr angehoben werden, was die Einkommenssteuer senken würde.